Grillen im Garten und auf dem Balkon 🍖

Grillen auf dem Balkon und Nachbarrecht

So schön der Sommer und das mit ihm verbundene Grillen sind – leider ist dies nicht selten mit Streitigkeiten unter Nachbarn verbunden oder zumindest doch der Uneinigkeit darĂŒber, wer wie oft und auf welche Weise grillen darf

Sobald die Tage lĂ€nger und wĂ€rmer werden zieht es die Menschen raus ins Freie und des Deutschen liebste FreizeitbeschĂ€ftigung ist das Grillen. Doch so beliebt das Grillen auch ist, es ist speziell fĂŒr die Nachbarn hĂ€ufig genug ein Grund zum Streiten. Entweder, weil der Qualm vom Grill in das Nachbarhaus zieht oder auch, weil die Party im Freien schlicht zu laut wird. Doch wichtig ist es zu wissen, was eigentlich laut Gesetzt erlaubt ist und was nicht. Ganz generell ist hierbei das Gebot der RĂŒcksichtnahme oberstes Prinzip, dass bedeutet das ein jeder RĂŒcksicht auf die BedĂŒrfnisse des anderen nehmen sollte. Es kann also nicht schaden, den Nachbarn vorher ĂŒber den Grillabend zu informieren und den Grill dann so aufzustellen, dass der Qualm ihm nicht in das Haus weht.

Vor allem bei der Verwendung eines Holzkohlegrills kommt es fast unvermeidlich zu einer starken GeruchsbelĂ€stigung der Nachbarn, die dies nicht einfach hinnehmen mĂŒssen. Das Landesimmissionsschutzgesetz schĂŒtzt sie in Nordrhein-Westfalen und Brandenburg insofern, dass der Qualm nicht in ihre Wohn- und SchlafrĂ€ume ziehen darf.

Im Vorteil sind die Bewohner von freistehenden EinfamilienhĂ€usern oder auch ReihenhĂ€usern, solange der Abstand zum Nachbarn groß genug ist.

Der eigene Garten ist so etwas wie das eigene Territorium in dem sich jeder frei entfalten kann und seine Freizeit genießen kann wie er mag, es sei denn er beeintrĂ€chtigt damit die BedĂŒrfnisse seiner Mitmenschen, in so einem Fall also der Nachbarn. Auf der anderen Seite mĂŒssen sich Nachbarn den Veranstaltungen von gelegentlichen Feiern beugen, sofern die BelĂ€stigung kein Übermaß annimmt. Mit solchen StreitfĂ€llen hat sich auch das Landgericht in MĂŒnchen beschĂ€ftigt und ein wahrhaft salomonisches Urteil gefĂ€llt, welches da lautet: „Ein generelles Grillverbot ist genauso unzulĂ€ssig wie eine generelle Grillerlaubnis. Der Nachbar muss grundsĂ€tzlich gelegentliches Grillen in der Sommerzeit dulden. Entstehen aber wesentlich BeeintrĂ€chtigungen, kommt sogar ein Grillverbot in Betracht (Az.: I 15 S 22735/03).“

Grillen auf dem Balkon

Fakt ist: Wer in einem Mehrfamilienhaus in enger Nachbarschaft lebt, darf nicht unbedingt so oft auf seinem Balkon oder der Terrasse grillen, wie es ihm beliebt. Wer also nicht möchte, dass ein schöner Grillabend unverhofft vor dem Kadi endet, sollte rechtzeitig die rechtliche Lage ĂŒberprĂŒfen.

Wie oft darf man grillen?

Die Entscheidungen, die in verschiedenen Gerichtsurteilen der letzten Jahre getroffen wurden, weichen durchaus voneinander ab. Daraus resultierend können an dieser Stelle nur ungefĂ€hre Richtwerte und Empfehlungen genannt werden, die Einzelfallentscheidungen nicht ersetzen. RĂŒcksichtnahme auf die Nachbarn ist oberstes Gebot.

Urteile zum Thema Grillen

Laut dem AG Bonn 1997 ist es in Ordnung, von April bis September einmal monatlich den Grill auf seinem eigenen Balkon oder der Terrasse in Betrieb zu nehmen – wenn man seine Nachbarn spĂ€testens 48 Stunden vorher informiert hat.

HĂ€ufiger hingegen – nĂ€mlich zweimal im Monat – darf man gemĂ€ĂŸ dem LG Aachen in dem am weitesten von allen Nachbarn entfernten Teil des Gartens grillen.

Das LG Stuttgart 1996 hingegen gesteht in seinem Beschluss Grillfreunden auf der Terrasse drei Grillabende oder sechs Stunden jÀhrlich zu.

Grillen im Garten

GemĂ€ĂŸ dem Bayerischen Obersten Landesgerichts darf im Garten einer Eigentumswohnanlage aber auf jeden Fall gegrillt werden, und das sogar auf Holzkohle und bis zu fĂŒnfmal im Jahr.

Andere Gerichte (AG Hamburg-Mitte, 40 C 229/1972 , LG DĂŒsseldorf, 25 T 435/90) hingegen untersagen das Grillen mit einem offenen Holzkohlengrill auf dem Balkon komplett. In diesem Fall kann aber auf einen Elektrogrill oder einen Lavastein-Gasgrill zurĂŒckgegriffen werden.

Die Hausordnung und das Grillen

Das letzte Wort hat jedoch der Vermieter: Er darf im Mietvertrag das Grillen grundsĂ€tzlich untersagen und bei Nichtbeachtung sogar den Mietvertrag schriftlich kĂŒndigen. (LG Essen 2002)

Oft vergessen: der LĂ€rmschutz

GemĂŒtliche Grillabende haben es an sich, dass sie draußen stattfinden. Gerade in Verbindung mit einer Feier und mehreren GĂ€sten kommt es hĂ€ufig zur LĂ€rmbelĂ€stigung – ein Aspekt, der in Verbindung mit dem Grillen hĂ€ufig vernachlĂ€ssigt wird.

Auch hier haben die Nachbarn jedoch das Recht auf Nachtruhe – nach 22 Uhr sollte es also deutlich ruhiger und die Feierlichkeit nach drinnen verlagert werden.

Das Urteil des OLG Oldenburg (13 U 53/02) rĂ€umt hier mehr Freiheiten fĂŒr den Grillfreund ein und sieht es als angemessen an, viermal im Jahr bis Mitternacht draußen zu grillen.

Grillen nur unter RĂŒcksichtnahme auf die Umwelt!

Anders liegt der Fall, wenn das Grillen und Feier nicht einfach den Nachbarn einen Grund zur Beschwerde liefert, sondern auch gegen die Umweltgesetze verstĂ¶ĂŸt. Das passiert zum Beispiel, wenn starker Rauch und Ruß austritt. In solchen FĂ€llen kommt das Bundesimmissionsschutzgesetz zum Tragen oder auch das landesrechtliche Immissionsschutzgesetz. In diesem Fall begeht der Gartenfreund eine Ordnungswidrigkeit, die mit Geldbußen bestraft wird. Deshalb ist es wichtig, im Vorfeld genau zu ĂŒberlegen, wo der Grill aufgestellt wird, welche Art der Befeuerung man wĂ€hlt und auch, welche Uhrzeit dafĂŒr die Richtige ist.

Die Nachtruhe beginnt offiziell um 22 Uhr und endet um sieben Uhr morgens. Wer in dieser Zeit durch LĂ€rm stört, der wird zunĂ€chst von der Polizei verwarnt und kann bei Wiederhandlungen auch mit einer Geldbuße bestraft werden. Wer trotzdem lĂ€nger feiern möchte, der sollte seine Party im Haus fortsetzen oder draußen die Musik leise stellen und Unterhaltungen in ZimmerlautstĂ€rke fĂŒhren, dagegen kann niemand etwas sagen. Am einfachsten ist wohl, die Nachbarn einfach mit einzuladen und so gemeinsam zu feiern. Dann kann sich auch niemand beschweren.

Generelles Grillverbot in MiethÀusern

Anders liegt der Fall in MietshĂ€usern, denn damit es da auf den Balkonen keinen Streit um den Grill gibt, gibt es in einigen MietvertrĂ€gen eine generelle Klausel die das Grillen mit Holzkohle auf dem Balkon verbietet. Hier ist dann nur das Grillen mit Gas oder dem Elektrogrill erlaubt, denn dabei entstehen keine unangenehmen GerĂŒche und auch kein Qualm. HĂ€lt sich ein Hausbewohner nicht an das Verbot, so kann der Vermieter ihn abmahnen und sogar aus der Wohnung kĂŒndigen. Das besagt ein Urteil das Landgerichts in Essen unter dem Aktenzeichen 10 S 438/01.

Die friedliche Lösung

Neben dem Umstieg auf einen Elektrogrill oder einen Lavastein-Gasgrill kann es sich lohnen, ein gutes nachbarschaftliches VerhÀltnis zu pflegen. Denn: Wo kein KlÀger, da auch kein Richter.

Tolerante Nachbarn drĂŒcken gern einmal ein Auge zu oder suchen rechtzeitig das GesprĂ€ch. Und obendrein freuen sie sich, wenn sie kurzerhand zum GrillvergnĂŒgen eingeladen werden.

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